Eine Rückerinnerung an die Ereignisse im August 2002 konnte man in der Lausitzer Rundschau vom  29.07.2003 nachlesen:


Forschung für den Hochwasserschutz

 

Cottbuser Wissenschaftler untersuchten Elbeflut / Erkenntnisse für bessere Vorsorge  / Konsequenzen der sächsischen Regierung

 

Professor Uwe Grünewald von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus wohnt in Dresden. Im vorigen August erlebte er die Elbeflut direkt vor der Haustür. In den folgenden Monaten beschäftigten er und seine Mitarbeiter sich mit dem Naturereignis. Ihr Resümee: Hochwasser kann man nicht verhindern, aber seine Auswirkung vermindern. Es muss nicht zur Katastrophe kommen. Die sächsische Landesregierung hat inzwischen vielfältige Konsequenzen aus der Elbeflut des vorigen Jahres gezogen.

 

Die Ratschläge zur Verminderung einer Flutgefahr sind klar und deutlich: Hochwasserbett freilegen und freihalten, also Bäume und Sträucher entfernen, Schwemmsand abtragen, keine Bebauung und kein Zustapeln der Flächen. Außerdem Brücken, wo nötig, umbauen und Deiche und Flutkanäle anlegen.
Aufgeschrieben wurden diese Ratschläge jedoch nicht nach der Elbeflut im vorigen Sommer, sondern schon 1892 für das Weser-Ems-Gebiet. Für Professor Uwe Grünewald ein Beleg dafür, dass Einsichten aus vorhergegangenen Hochwässern immer wieder in Vergessenheit geraten.

Denn in Dresden, so die Einschätzung des Wissenschaftlers, hätte das Nichtbeachten solcher alten Erkenntnisse dazu beigetragen, dass die Flutwelle einen Pegelstand erreichte, der eigentlich nicht hätte eintreten dürfen. Nach den Wassermengen, die pro Sekunde die Elbe abwärts schossen, hätte der Wasser-Höchststand in Dresden nur bei etwa 8,77 Metern liegen dürfen. Gemessen wurden jedoch 9,40 Meter.

 

 

Wasser durch Sand verdrängt

 

Für dieses zunächst scheinbare Rätsel haben die Cottbuser Wissenschaftler inzwischen eine Erklärung. Der Platz, den der Fluss hatte, um sich auszubreiten, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten langsam, aber insgesamt doch spürbar verringert. Als eine Ursache dafür nennt Professor Grünewald deutliche Sandablagerungen auf den Elbwiesen, die inzwischen auch zum Teil mit Sträuchern bewachsen sind und unter Naturschutz stehen. Außerdem sei auch der Zugang zu Flutrinnen, die vor
hundert Jahren angelegt wurden, nicht ausreichend freigehalten worden. Die Folge: Die so genannte Ostra-Rinne in Dresden, eine Art Notausgang für die Elbe im Flutfall, sei nur eingeschränkt wirksam gewesen.

"Je länger ein Hochwasser zurückliegt, um so stärker wirken andere Zwänge, wenn es um Interessen-Abwägungen geht", beklagt Michael Kaltofen, ein Mitarbeiter im BTU- Team von Professor Grünewald. Flächen, die für Überflutungen freigehalten werden sollten, reizen beispielsweise als Bauland. "Wenn jemand an einem Bahndamm bauen will, fragt er gleich, wie oft hier der Zug fährt, wer am Fluss baut, fragt kaum nach der Hochwassergefahr", sagt Kaltofen.

Trauriges Beispiel dafür ist Röderau-Süd, ein Ortsteil von Zeithain. Obwohl die Fläche direkt am Elbufer auf DDR-Karten als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen war, wurde dort nach der Wende eine komplette Neubausiedlung errichtet. Im April hat jetzt ihr Abriss begonnen. Alle Einwohner müssen umziehen. Röderau-Süd verschwindet wieder von der Landkarte.

 

Auch an anderen Orten, zum Beispiel in Weesenstein im Erzgebirge, werden Häuser, die von der Flut weggerissen oder schwer beschädigt wurden, nicht wieder am alten Standort aufgebaut, versichert Martin Socher, stellvertretender Chef der Projektgruppe Hochwasserschutz im sächsischen Umweltministerium. Per Gesetz wurden bereits im Freistaat Sachsen breitere Gewässerrandstreifen und Überschwemmungsgebiete festgesetzt. In diesen Bereichen darf nicht neu gebaut werden.

Mehr als 700 Brücken, für die das Land zuständig ist werden zurzeit überprüft und umgebaut. Die Stadt Dresden hat auf ihrer Internetseite interaktive Karten gestellt, in denen jeder Stadtbewohner sehen kann, ob und wie sehr sein Haus bei einer erneuten Flut ähnlichen Ausmaßes unter Wasser stehen würde. Jeder Hauseigentümer hat so die Möglichkeit private Vorsorge zu betreiben.
Deutlich verbessert wird in Sachsen das Frühwarnsystem für Hochwasser. Ein landeseinheitliches Zentrum wird künftig alle Daten erfassen und in die betroffenen Gebiete weiterleiten. Der Aufbau soll im nächsten Jahr abgeschlossen werden. Dazu werden alle Hochwasserpegel schrittweise mit robuster Technik und Datenfernübertragung ausgerüstet.

21 Tote, die beim Elbe-Hochwasser des vorigen Jahres zu beklagen waren, haben großen Handlungsdruck erzeugt­ Entgegen zeitweise öffentlichen Anfeindungen gegen die sächsischen Talsperren, stellen die Cottbuser Wissenschaftler der BTU den Speicherbecken gute Kritiken für ihre Rolle beim Elbe-Hochwasser aus. Die Talsperren hätten geleistet, was sie konnten, doch die Niederschläge, die vom 11. bis 13. August vorigen Jahres gerade im Erzgebirge niedergingen, lagen nach ausgewerteten Messungen zum Teil nahe an den Mengen, die rein physikalisch überhaupt vom Himmel kommen können.

Konsequenzen gibt es trotzdem nach dem Elbe-Hochwasser auch bei den sächsischen Speicherbecken. Zulasten der Trinkwasservorräte wird die Speicherkapazität für Hochwasser erhöht. Ein im Bau befindliches Rückhaltebecken in Lauenstein wird wegen der Hochwassererfahrung doppelt so groß
wie ursprünglich geplant.

 

800 Millionen Euro für Sachsen

 

Insgesamt sind nach derzeitigen Berechnungen etwa 800 Millionen Euro notwendig, um in den kommenden Jahren den präventiven Hochwasserschutz in Sachsen nach dem neuesten Stand der Technik
auszubauen. Geld, das der Freistaat alleine nicht aufbringen kann.
"Wir hoffen da auf Hilfe von Bund und EU", sagt Martin Sochet aus dem sächsischen Umweltministerium. Dass beim Elbe-Hochwasser im vorigen August schon Lehren aus der Oderflut von 1997 berücksichtigt wurden, nennt Grünewald in seinen Untersuchungen als positives Beispiel. In Abstimmung mit Sachsen-Anhalt und Brandenburg seien im August 2002 Havelpolder geflutet und die Hochwasserwelle der Elbe in Höhe Wittenberge dadurch um einen halben Meter gekappt worden. Die Stadt sei dadurch vor der Überschwemmung gerettet worden.
Anschließend sei es jedoch, so Grünewald, zu einem massenhaften Fischsterben im Havelgebiet gekommen, weil die überfluteten Polder intensiv landwirtschaftlich bewirtschaftet waren, was zu Sauerstoffmangel im Wasser führte. In Sachsen laufen nach Angaben des Umweltministeriums zurzeit Verhandlungen mit Landwirten über Entschädigungen, damit die Äcker und Wiesen künftig als Überflutungsflächen zur Verfügung stehen.

 

Behörden sind sensibilisiert

 

Bestimmte Hochwasserschutzmaßnahmen werden in sächsische Gesetze einfließen, kündigt Martin Socher vom Umweltministerium an. "Die Sensibilität für die Hochwassergefahr ist jetzt in den Behörden und Institutionen geschärft, sie darf nicht wieder verblassen", begründet der stellvertretende Leiter der Projektgruppe Hochwasserschutz diesen Schritt.

Wie notwendig das ist, belegen Zahlen, die Professor Grünewald vorgelegt hat. Danach war die Elbeflut des vorigen Sommers kein "Jahrtausendereignis" wie zunächst vermutet. Nach Wahrscheinlichkeitsberechnungen könnte ein Hochwasser mit Wassermassen wie 2002 in "nur" 150 bis 200 Jahren wieder auftreten

 

 

Zahlen & Fakten

 

Elbe-Hochwasser im August 2002

 

Der Gesamtschaden; der durch das Elbe-Hochwasser verursacht wurde, beträgt etwa 9.2 Milliarden Euro. Zwei Drittel 

 

davon entfallen auf den Freistaat Sachsen. In ganz Europa wurden im August 2002 Hochwasserschäden von 18.5 

 

Milliarden Euro registriert.

 

337 000 Menschen waren direkt vom Hochwasser betroffen, 21 verloren in den Fluten ihr Leben.

 

Allein in Dresden mussten 35 000 Menschen evakuiert werden.

 

Die Rückhaltekapazität für Hochwasser in den sächsischen Talsperren wird erweitert. 1992 waren elf Prozent des

 

gesamten Speichervolumens Hochwasserkapazität plus Sicherheitsbereich. Jetzt beträgt dieser Anteil bereits mehr als

 

27 Prozent und soll bis Ende 2003 auf fast 33 Prozent steigen.

 

                                                                       

 

 

 

An dieser Stelle sei eine Bemerkung des Verfassers dieser Internet-Seite gestattet :

 

Viele der eingangs von Professor Grünewald und seinen Mitarbeitern verdeutlichten Ursachen und Folgen von Hochwässern und

 

 ihrem Ablauf sind auch in der folgenden Publikation enthalten:

 

 

Länderarbeitsgemeinschaft Wasser

 

Leitlinien für einen zukunftsweisenden Hochwasserschutz

 

Hochwasser – Ursachen und Konsequenzen

 

im Auftrag der Umweltministerkonferenz

 

Herausgegeben von der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA)

Umweltministerium Baden-Württemberg

 

Stuttgart, im November  1995

 

 

 

An dieser Stelle folgen aus der Sicht des Verfassers die letzten Beiträge zum Elbehochwasser 2002:

 

 

Eigentlich dachte ich damit ist alles auf den Weg gebracht, ...

 

 

... aber weit gefehlt: die bundesdeutschen Gesetzesmühlen mahlen langsam:

                                                    

Am 17.04.2004 konnte der Leser der Lausitzer Rundschau unter der Überschrift :

 

 

Auf die Jahrtausendflut folgt die Paragrafenflut  Erstaunliches Lesen:

 

Erst nach Jahren alle Schäden in Sachsen behoben

 

COTTBUS. Für die deutsche Bauwirtschaft hat sich durch die Beseitigung der Schäden, die im Sommer 

 

2002 von der Jahrtausendflut in Sachsen und Sachsen-Anhalt angerichtet wurden, kein nennenswerter 

 

Zuwachs ergeben. Nur die sächsischen Baubetriebe hätten 2003 ein Umsatzplus von 4,5 Prozent 

 

gemeldet, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie, Michael 

 

Knipper, der RUNDSCHAU. Aber auch in Sachsen erwarte die Branche 2004 wieder einen 

 

Umsatzrückgang. Knipper führte dies zurück darauf, "dass unser Planungsrecht nicht in Ordnung ist". Es 

 

dauere Jahre, "bis alle Instanzen durch sind" und "alles wieder in Schuss ist". (Eig. Ber./rb)

 

 

"Stau nach der Jahrtausendflut"

 

Michael Knipper im RUNDSCHAU-Gespräch zu Folgen des Hochwassers

 

Im August ist es zwei Jahre her, dass Sachsen sowie Teile Sachsen-Anhalts und Brandenburgs im

 

Jahrtausendhochwasser versanken. Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie for­derte angesichts der Schäden ein 

 

langfristiges, europäisches Maßnahme-Paket zur Vermeidung derartiger Flutkatastrophen. Michael Knipper, 

 

Hauptgeschäftsführer des Verbandes, warnte damals davor, diese Notwendigkeit aus dem Blick zu verlieren, sobald die 

 

Flut wieder aus den Schlagzeilen verschwindet. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm über den Umgang mit den 

 

Flut-Folgen und deren Auswirkungen auf die Baubranche.

 

 

Herr Knipper, das ungeheure Ausmaß der Schäden machte nach dem Abklin­gen des ersten Schocks 

 

Wirtschaftsfor­scher optimistisch. Sie glaubten, die Aufbauarbeit könnte die Trendwende am Bau 

 

bringen. Wie es scheint haben sie damit gewaltig daneben gelegen.

 

 

Es hat kein Plus in der deutschen Bauwirtschaft gegeben nach der Flut, nicht mal im Osten. Nur in Sachsen gab es eine 

 

regionale Sonderkonjunktur . Das hatten wir auch erwartet. Für das Jahr 2003 konnte der Sächsische 

 

Baugewerbeverband erstmals nach sieben Jahren Rückgang ein Umsatzplus von 4,5 Prozent vermelden. Diese 

 

Umsatzerholung ist insbesondere auf die Arbeiten zur Beseitigung der Flutschäden aus dem Sommer 2002 

 

zurückzuführen und daher kein Beleg für eine generelle Trendwende. Im Übrigen geht auch die sächsische 

 

Bauwirtschaft in diesem Jahr wieder von einem Umsatzrückgang aus.

 

 

Die Aufbauarbeiten sind doch aber noch lange nicht abgeschlossen.

 

 

Das ist richtig, es gibt noch viel zu tun. Über die Erneuerung der Mulde-Brücke in Grimma beispielsweise diskutieren 

 

Experten noch immer, im Weiß­eritztal ist noch viel aufzu­bauen. Dabei zeigt sich wieder einmal, dass unser 

 

Planungsrecht nicht in Ordnung ist. Die Menschen hätten alles wieder so aufbauen können wie es war, wollten es 

 

diesmal aber besser machen. Das wiederum setzt allerdings ein neues Planungsrecht voraus.

 

Was heißt das?

 

Das heißt, es ist wieder ein neues Planfeststellungsverfahren nötig und das dauert, bis alle Instanzen durch sind. Das 

 

heißt, hochinteressante Ingenieurbauprojekte wie die Bahnbrücken sind jetzt erst im Gange. Es war irrsinnig 

 

anzunehmen, dass es schon 2002 und 2003 zu einer Auftragsflut kommt. Es wird noch Jahre dauern, bis alles wieder in 

 

Schuss ist.

 

Sie hatten im August 2002 die Sorge geäußert, dass alle Notwendigkeiten eines effektiven

 

Hochwasserschutzes vergessen werden könnten, sobald die Flut wieder aus den Schlagzeilen gerät. 

 

Haben Sie sich zu Recht gesorgt?

 

Jein. Es ist einiges auf den Weg gebracht. Zufrieden sind wir damit noch nicht. So vermisse ich zum Beispiel ein 

 

stetiges Deich-Investitionsprogramm, so wie wir es damals gefordert haben.

 

Im Wasserbau hat die Flut zu einem aberwitzigen Stau geführt. Der Bund hat das Wasserbauprojekt 17, den Ausbau 

 

der Elbe, gestoppt.

 

Da haben wir nun das hochmodernste Wasserstraßenkreuz Europas und dahinter ist Schluss. Das macht 

 

doch überhaupt keinen Sinn. Zumal der Ausbau der Elbe nach streng ökologi­schen Gesichtspunkten 

 

erfolgt. Ziel ist, eine dauerhafte Wassertiefe von zwei Meter achtzig zu sichern. Damit bliebe die Elbe 

 

selbst bei einer ungewöhnlichen Dürreperiode, wie sie im vergangenen Jahr auf die Flut gefolgt ist, noch 

 

schiffbar.

 

Hochwasserschutz heißt, die Flüsse als Ganzes zu betrach­ten und schon an der Quelle so viel wie 

 

möglich zu tun, um der Natur den nötigen Raum zu geben. Was tut sich grenzüberschreitend?

 

Die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe hat einen Hochwasser-Aktionsplan be­schlossen. Das Konzept der 

 

deutschen und tschechischen Experten empfiehlt, der Elbe und ihren Zuflüssen wieder mehr Raum zu geben. Die 

 

grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist dabei unerlässlich. Denn Umweltprobleme sind nicht national zu lösen, 

 

sondern nur europäisch und global. Es nützt nichts, in Deutschland Dämme zu bauen, wenn am Oberlauf der Flüsse 

 

nichts getan wird.

 

MIT MICHAEL KNIPPER sprach Beate Möschl

 

paragrafenflutelbelr170404.rtf

 

 Flutschäden in Sachsen fast beseitigt

 

 

DRESDEN. Zwei Jahre nach dem Hochwasser ist der 

 

Wiederaufbau in Sachsen weitgehend bewältigt. Wie 

 

Staatskanzleichef Stanislaw Tillich  (CDU) gestern zum 

 

zweiten Jahrestag der Flut mitteilte, wurden 93 Prozent der 

 

Mittel: für den Wiederaufbau bewilligt oder bereitgestellt. 

 

Sachsen stehen 4,66 Milliarden Euro aus dem Fluthilfefonds 

 

und dem EU-Solidarfonds zur Verfügung. (AFP/kr)

 

 Quelle: LR, 13.08.2004

 

 

 

Ich glaube, dass der oben stehende Beitrag der letzte zu diesem Thema gewesen ist.

 

Oder ? ....

 

Nun wirklich die absolut letzte Mitteilung  oder (??):

 

Zu den Schäden, verursacht durch das verheerende Elbe-Hochwasser veröffentlichte die Lausitzer

 

Rundschau am 01.09.2004 folgende Notiz:

 

11,3 Milliarden Schaden

 

Das verheerende Elbe-Hochwasser 

 

vor zwei Jahren hat in Deutschland 

 

und Tschechien einen Schaden von 

      

11,3 Milliarden Euro

 

verursacht. Das geht aus einer 

 

grenzübergreifenden Dokumentation 

 

hervor, die gestern vorgestellt wurde.

                         

 

 

Noch einmal zum Thema: Hochwasserschutz in Deutschland, nach dem viele natürliche und 

 

künstlich aufgebaute Hürden genommen worden sind, heißt es nun endlich 

 

(Lausitzer Rundschau, 18.03.2005):

 

 

 

Neue Regeln für den Hochwasserschutz

 

Bundestag verabschiedet Kompromiss

 

BERLIN. Der Hochwasserschutz in Deutschland wird neu geregelt. Der Bundestag verabschiedete gestern (17.03.2005) in Berlin einstimmig einen Kompromiss des Vermittlungsausschusses.

Gegenüber den ursprünglichen Regierungsplänen setzten die Länder Änderungen in drei zentralen Fragen durch. 

 

Demnach wird es kein Ackerbauverbot in erosionsgefährdeten Abflussbereichen geben, die Ausweisung neuer Baugebiete und die Errichtung neuer Ölheizungsanlagen in Überschwemmungsgebieten wird zudem nicht verboten.

 

Nach dem Vorschlag des Vermittlungsausschusses obliegt es nunmehr den Ländern, für landwirtschaftlich genutzte Flächen in Überschwemmungsgebieten festzulegen, wie Erosionen und Schadstoffeinträge vermieden oder verringert werden können. Zudem dürfen Behörden in Ausnahmefällen neue Baugebiete in Überschwemmungsbe­reichen ausweisen. (ddp/kr)

 

 

Betrifft Brandenburg (Lausitzer Rundschau, 04.03.2005): DAS GUTE ZUM SCHLUSS

 

Die Elbdeiche im Raum Mühlberg sind nach den Hochwassershäden von 2002 saniert. Jetzt geht es an die Erneuerung der Hochwasserschutzanlagen. Bereits 2006 soll Baustart sein ­ deshalb muss noch in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden.

 

 

In der Lausitzer Rundschau vom 03.05.2005 war zu lesen:

 

 

Sachsen gibt zwei Milliarden Euro für den Hochwasserschutz aus

 

VON ERNST W. RAYMUND

 

47 regionale Konzepte / Landestalsperrenverwaltung koordiniert Bau / Flutschäden von 2002 zu 80 Prozent behoben / Vorsorge an der Elbe soll 100 Jahre halten

 

 

Das Jahrhunderthochwasser in Sachsen von 2002 hat nicht nur Millionenschäden hinterlassen, sondern zwingt die Verant­wortlichen auch zu intelligen­ten Vorsorgelösungen. Verantwortlich für die gesamten Hochwasserschutzmaßnahmen im Land ist die Landestalsperrenverwaltung. Die in Pirna angesiedelte Behörde hat mittlerweile nach Auskunft von Geschäftsführer Hans-Jürgen Glasebach 47 regionale Hochwasserkonzepte für ganz Sachsen erarbeitet. Hinzu kommen zahlreiche detaillierte Konzepte für alle Ortschaften in potenziellen Hochwassergebieten.

 

Die von den Fluten angerichteten Schäden sind Glasebach zufolge schon zu 80 Prozent behoben, doch ziehen sich einige Maßnahmen noch bis ins kommende Jahr hin. Deiche und Stützmauern mussten erneuert, oft sogar neu konzipiert und modemen Erkenntnissen angepasst werden. Die Landestalsperrenverwaltung plant nicht nur, sondern betreut auch fast alle diese Baumaßnahmen selbst. Von 2002 bis 2004 waren sachsenweit mehr als 4000 ABM-Kräfte al­lein im Deichbau eingesetzt, betont der Behördenchef.

Um die Mehraufgaben zu bewältigen, mussten rund 170 Ingenieure als Bauleiter neu eingestellt werden.. Und diese haben noch mindestens 20 Jahre reichlich zu tun. Sachsen hat ein Zwei-Milliarden Programm aus Bundes- und Landesmitteln für den Hochwasserschutz aufgelegt. In Jahresscheiben von 100 Millionen Euro sollen die Konzepte der Behörde umgesetzt werden. Allerdings ist es bei der Finanzlage der öffentlichen Hände nicht sicher, dass die Mittel auch jedes Jahr in der erhofften Höhe zur Verfügung stehen, sagt Glasebach. Eine Ausnahme gibt es für Dresden. Hier will die Stadt die Maßnah­men in eigener Regie durchzie­hen und erhält dafür die Mittel aus dem Programm ausge­reicht.

 

Die Landestalsperrenverwaltung muss sich dabei mit einem Gewässer erster Ordnung, der Elbe, beschäftigen, das noch dazu eine internationale Wasserstraße ist. Hinzu kommen Gewässer zweiter Ordnung, von kleinen Bächen bis zur Mulde. Glasebach betont: "Wenn möglich, wird nach naturverbundenen Lösungen gesucht."

Dazu gehören Rückhaltebecken ebenso wie unbebaute Uferflächen, die im Hochwasserfall überflutet werden können.. Hinzu kommen Veränderungen der Siedlungsstruktur von Ort­schaften sowie die Anpassung von Schienenwegen, Straßen und Brücken an Hochwasser-Szenarien.

 

Glasebach betont, dass es keinen 100-prozentigen Hochwasserschutz gibt. Auch würden zu rigorose Schutzmaßnahmen die Lebensqualität in vielen Landstrichen beeinträchtigen. Hier sind Kompromisse durchaus an der Tagesordnung. Die Schutzmaßnahmen für die Elbe sollen etwa 100 Jahre vorhalten. Für deren Nebenflüsse wie die Weißeritz versucht man sogar, Konzepte für die kommenden 200 Jahre zu entwickeln.

 

 

Ursprüngliche Aufgabe der Landestalsperrenverwaltung war die Betreuung und Bewirtschaftung der rund 120 Talsperren in Sachsen, die überwiegend im Erzgebirge liegen.. Diese liefern das Rohwasser für Trink- und Brauchwasser an die örtlichen Wasserwerke. Weite Teile des Landes beziehen auf wese Weise hochwertiges Wasser. Jetzt ist die Behörde für praktisch alle Gewässer im Landesbesitz zuständig, Flüsse, Bäche, Seen und Teiche eingeschlossen. Glasebach erwartet daher, dass die Behörde schon bald ihren Namen wechselt, der die Aufgaben besser umschreibt. Stolz ist der Wasserwirtschaftsingenieur, der im Juli in Ruhestand tritt, darauf, dass das in seiner Diplomarbeit vorgeschlagene Konzept für Lauenstein im Müglitztal jetzt realisiert wird.

 

 

 

Drei Jahre nach dem verheerenden Elbe-Hochwasser:

 

 

Naturschützer befürchten neue Jahrhundertflut

 

BUND kritisiert mangelnden Schutz

 

BERLIN. Drei Jahre nach der Jahrhundertflut der Elbe war­nen Naturschützer erneut vor einer möglichen Katastrophe. Für ähnlich starke Regenfälle wie damals seien weder Bund noch Länder gerüstet, kritisierte gestern ein Experte des Bun­des für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Bund und Länder hätten noch nicht die ökologischen Lehren gezogen, sagte BUND-Elbe­-Experte Ernst-Paul Dörfler. Bisher seien nur stellenweise Deiche verstärkt worden, was aber zu schnellerem und höherem Wasserfluss führe. Besser sei die Rückverlegung der Deiche. Dies sei auch vielfach möglich, beispielsweise bei Torgau (Sachsen). Als gutes Beispiel für Hochwasserschutz nannte Dörfler die Überschwemmungsfläche bei Lenzen (Brandenburg). Diese Flächen seien aber noch zu klein.

Heute vor drei Jahren begannen die Regenfälle, die die Jahrhundertflut auslösten. Damals starben 21 Menschen, der Schaden ging in die Milliarden. (AFP/mhs)

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 10.08.2005

 

 

BUND kritisiert zu geringen Hochwasser-Schutz an der Elbe

 

Potsdam zieht dagegen positive Bilanz

 

BERLIN. Drei Jahre nach dem verheerenden Elbe-Hochwas­ser hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den unzureichenden Schutz vor weiteren Überschwemmungen kritisiert. Der Elbe und ihren Nebenflüssen fehlten weiterhin genügend Überschwemmungsflächen bei hohem Wasserstand, teilte der Verband gestern in Berlin mit. Für den Mittel- und Unterlauf der Elbe gebe es immer noch ein großes Hochwasserrisiko. Der BUND befürchtet, dass die Pegelstände bei einer Wetterlage wie 2002 heute noch einen halben Meter höher wären.

 

Nach Meinung der Umwelt­schützer haben Bund und Län­der seit der Elbe-Flut im Jahr 2002 zu sehr in den technischen Hochwasserschutz wie beispielsweise den Deichbau investiert. Natürliche Überschwemmungsflächen seien je­doch nur in geringem Maße ausgewiesen worden. Auch die intensive Landwirtschaft nahe der Flüsse sei bisher kaum gestoppt worden, sagte BUND-­Experte Ernst-Paul Dörfler.

 

Das Potsdamer Umweltministerium hat gestern dagegen eine positive Bilanz bei der Verbesserung des Hochwasserschutzes an Oder und Elbe gezogen. Dazu würden sichere Deiche, aber auch Maßnahmen gehören, die den Flüssen mehr Raum geben, betonte Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) in Potsdam. So würden derzeit an der Elbe neben zahlreichen kleineren Projekten zwei große Deichrückverlegungen realisiert - bei Lenzen und Rühstädt.

"Durch beide Projekte, bundesweit in dieser Größenordnung einmalig, werden zwei kritische Flussabschnitte entschärft", sagte der Minister. (dpa/pm/ta)

 

Quelle : Lausitzer Rundschau, 10.08.2005-08-10

 

 

 

Meinung des Autors dieser WEB - Seite:

 

 

Technischer und natürlicher Hochwasserschutz müssen sich gegenseitig ergänzen. Man kann einen Schutz vor 

 

Hochwasser nicht nur durch Vergrößerung von Retentionsflächen infolge von Deichverlegungen erreichen. Es 

 

sind dabei auch die Folgen abzuschätzen.

 

Es erhebt sich die Frage, warum in den Retentionsflächen der Flüsse nach Meinung des BUND keine 

 

Landwirtschaft betrieben werden soll. Die Poldergebiete an der Oder werden seit  Jahrhunderten 

 

landwirtschaftlich genutzt.

 

 

Außerdem ist klar zu stellen, dass es einen 100-prozentigen Hochwasserschutz nicht geben kann, da zu rigorose 

 

Schutzmaßnahmen die Lebensqualität in vielen Landstrichen beein­trächtigen würden, von der Größenordnung 

 

der anfallenden Kosten einmal abgesehen.

 

P.S.

 

 

Fünf Jahre sind seit der Elbe - Jahrhundertflut vergangen: eine kurze Bilanz 

 

Sechs Milliarden Euro Schaden in Sachsen

 

Hochwasserzentrum als Konsequenz

 

DRESDEN/GRIMMA. Sie sind zum Symbol für die Elbeflut geworden: Dresden, Grimma und Weesenstein in Sachsen. In letzterem hatte der kleine Fluss Müglitz nach heftigem Regen am 12. August 2002 sein Bett verlassen und donnerte durch das nach ihm benannte Tal. Elf Wohnhäuser des Ortes fielen dem Hochwasser zum Opfer - ein Viertel der gesamten Gebäudesubstanz. In Dresden erreichte die Elbe am 17. August den Rekordpegel von 9,40 Meter - normal sind rund zwei Meter. Katastrophenalarm wurde ausgerufen, die historische Altstadt mit Zwinger und Oper standen unter Wasser. Tausende Menschen wurden evakuiert.

Grimma erreichte die Flut am 13. August. Die Mulde überschwemmte die Straßen der Altstadt gut zweieinhalb Meter hoch. Tausende Bewohner wurden vom Wasser überrascht und mussten mit Booten und Hubschraubern gerettet werden. Fünf Jahre danach ist dort nichts mehr von den Zerstörungen zu sehen. Alle Schäden seien beseitigt, sagte Grimmas Bürgermeister Matthias Berger (parteilos).

 

Sachsen war damals das am meisten betroffene Bundesland. Im Freistaat summierten sich die Schäden auf geschätzte sechs Milliarden Euro. Das Land erhielt 80 Prozent aus dem rund 7,1 Milliarden Euro umfassenden Fonds Ausbauhilfe der Bundesregierung. "Sachsen ist schöner geworden", sagt Regierungschef Georg Milbradt (CDU) heute. "Unsere Befürchtung, dass der Aufbau in Sachsen zurückgeworfen würde durch diese Flut, hat sich nicht bestätigt."

 

Der Freistaat hat zudem ein Hochwasserzentrum aufgebaut - um Behörden zu bündeln und Daten für Gewässer effektiver zu sammeln. Und es gibt nun Schutzkonzepte für alle größeren Flussgebiete im Freistaat. (dpa/ddp/das)

 

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 10.08.2007

 

 

 

 Informationen zum Elbe-Hochwasser 2006

 

 

 

 Informationen zum Elbe-Hochwasser 2013

 

 

 

 

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